März 2004
Fernwärme 
Sri Lankas Weg zurück zur Top-Destination.

August Kargl

Mönche im Gebet vor dem sterbenden Buddha in Gal ViharaSpektakulär: Die Vorstellung der Kandy-TänzerSri Lankas schönste Strände wie der von Mirissa liegen tief im Süden

Bilder: August Kargl

Der grollende Monsun-Donner und das Getrampel der Affenhorde auf dem Dach sind kaum noch wahrzunehmen. Ein warmer, öliger Strahl trifft die Stirn und reißt alles mit: Kindergeburtstage, Pin-Codes und Handynummern klammern sich ohne Chance an der Großhirn-Rinde fest. Nach 20 Minuten, viel zu früh, ist alles vorbei, der Kopf ist frei und leer. Shirodhara, der ayurvedische Stirnguss, wirkt wohltuend und reinigend – wie eine Gehirnwäsche.

Auch Sri Lanka will vergessen. 20 Jahre Bürgerkrieg – da gibt’s nichts zu beschönigen – haben das Land paralysiert. Derzeit verhandeln Tamilen und Singhalesen um Frieden. Und gleichzeitig ist das Ferien-Paradies der 70er- und 80er-Jahre wieder gefragt. Katamarane unter Segeln, Stelzen-Fischer in der Brandung, endlose, von Palmen gesäumte Strände – die schönsten tief im Süden wie Hikkaduwa (Korallengärten), Unawatuna oder Mirissa – sind altbekannte Aufhänger der exotischen Fernwärme-Destination Sri Lanka.

Neu: der Ayurveda-Trend. Die verfallenen Kliniken in den Ruinenfeldern der alten Königsstädte und auf Palmblättern in Sanskrit verewigte Rezepturen inspirierten Sri Lankas Ärzte, die den Ayur- veda-Boom im Westen mit auslösten. Heute bieten – anders als vor 20 Jahren – fast alle Hotels diese ursprünglich aus Indien stammende Heilkunde in Form von öligen Massagen, Stirngüssen, Dampf- und Kräuterbädern und in Kombination mit vegetarischen Genüssen als Kur an.

„Den Puls zu fühlen, ist nur ein Teil unserer ayurvedischen Diagnose“, Dr. Sunil Waidytilake, Chefarzt im Lanka Princess Hotel in Beruwala, zeigt stolz auf seinen modernen Blutdruckmesser. Er gibt aber zu, dass bis heute in entlegenen Dörfern Va Pith Sem vorkommt, jenes streng gehütete Geheimwissen der Pulsdiagnose und der heilenden Kräuter, das vom Lehrer immer nur an einen auserwählten Schüler weiter gegeben wird.

Stress in der City. Wer sich die Besichtigung der hektischen und im Zeitraffer zum asiatischen Moloch mutierenden Hauptstadt Colombo antut, sollte sich als Abschluss einen „Sundowner“ im kolonialen Ambiente des Galle Face Hotels gönnen. Promis wie die Rockefellers, Sir Lawrence Olivier und Gregory Peck logierten hier. Und unter den guten alten „Fans“, den Deckenventilatoren, weht noch immer ein Hauch des British Empire.

Buddha und Jumbos. In safranfarbene Roben gehüllte Mönche meditieren vor den aus Fels gemeiselten Buddha-Statuen von Gal Vihara. Trommeln und ein gar unheiliges Geschiebe allabendlich in Kandys heiligstem Tempel, dem Dalada Maligawa, wo jeder zumindest einen kurzen Blick auf die goldene Schatulle mit Buddhas Backenzahn erhaschen will. Im Elefanten-Waisenhaus von Pinawella posieren putzige Jumbos im Schlammbad. Und auch ihre größeren, wilden Artgenossen in Mineriya haben sich schon an Kameras gewöhnt. Unter dem riesigen Banyan-Baum im botanischen Garten von Peradeniya lebt Sri Lankas Jugend ihre neue Freiheit aus: Öffentliches Küssen und Händchen halten waren bis vor kurzem noch tabu.

In Anuradhapura reißt der Strom von Gläubigen, der die heiligen Dagobas (Pagoden) wie Ruwanweliseya und Thuparama – letztere mit Schlüsselbein-Reliquie – umrundet, scheinbar niemals ab. Bei Augenkontakt erstrahlt ein breites Lächeln, mal Zahnpasta-weiß, dann wieder rot vom Betel kauen. Aggressive Affen jagen fressbaren Opfergaben nach, Kinder den herabfallenden Blättern des Sri Maha Bodhi, einem Ableger jenes Baumes aus dem indischen Bodhgaya, unter dem Buddha die Erleuchtung gefunden haben soll. Ein goldenes Gitter schützt das Heiligtum vor allzu inniger Verehrung.

Gefallene Mädchen. Der Aufstieg auf den Sigiriya-Felsen, dem luftigen Palast-Versteck des verrückten Königs und Vatermörders Kasiyapa, ist Schweiß treibend und trotz fester Eisenleitern Schwindel erregend. Oben warten die mehr als tausend Jahre alten Fresken der Wolkenmädchen. Nur 21 der einst 500 sinnlichen Grazien sind noch erhalten. Der Rest ist durch Zeit und Wetter-Unbill samt Alabaster-Untergrund aus der Wand gefallen. Vollbusig und mit Wespen-Taille, entsprechen die antiken „Pinups“ auch heute noch dem Schönheits-Ideal. Geschäftstüchtige Beauty-Farmen bieten sogar ein passendes Ayurveda-Brustöl samt straffender Massage an.

Scharfe Sache. Reis und Curry – für die Einheimischen all-täglich, für Ungeübte aber ein flammendes Gaumen-Inferno. Ob Linsen, Okrabohnen, Jackfrucht, Fisch oder Huhn: Jedes Gericht verlangt eine andere Gewürzmischung. Doch der hemmungslose Einsatz von Chilli bleibt konstant.

Teatime. Im kühlen Hochland rund um Nuwara Eliya nochmals die Handschrift der Kolonialherren: Ein mit Präzision gestutzter Teppich von Tee-Sträuchern überzieht sattgrün und wie onduliert die Berghänge. Unterbrochen nur von Wasserfällen, rot blühenden afrikanischen Trompetenbäumen und australischem Eukalyptus. In diesem Klima gedeiht der beste Tee der Welt, der B.O.P. („Broken Orange Pekoe“). Der Besuch einer der „Tea-Factorys“ wie Glenlock oder Labookellie bietet auch die Gelegenheit zum billigen Einkauf.

Sri Pada, der heilige Berg. Kaum ein Reisender verirrt sich in die Ecke von Maskeliya. Es sei den, er tut es den Tausenden Pilger gleich, die alljährlich zwischen Dezember und April die steile und heilige Pyramide des Adams Peak, des Sri Pada, erklimmen. Endlose, 5.000 steile Stufen rauf und runter sind auch für geübte Wanderer ein Bußgang.

Hermann Hesse, so sagt man, hatte auf dem von allen Religionen verehrten Berg ein transzendentes Erlebnis. Den Schreiber dieser Zeilen bedachten die Götter nur mit einem feisten Muskelkater und einer tagelang anhaltenden Treppen-Allergie.

Ayurveda: Das alte Wissen vom Leben
Aus „Ayus“, dem Leben, und „veda“, dem Wissen, leitet sich Ayurveda, eine der ältesten Gesundheitslehren, ab. Krankheiten werden als Störung der Harmonie gesehen. Körper, Geist und Seele des Patienten wird als Einheit, als Ganzes betrachtet.
Die Ärzte erkennen am Puls, ob sich eine der drei Energien, die sogenannten „Doshas“, wie „Vata“ (Luft), „Pitta“ (Feuer) oder „Kapha“ (Wasser) im Ungleichgewicht befindet. Das bestimmt dann auch die Behandlung.
Das Gefühl danach: ziemlich ölig, aber entspannt. Wer nur Stress abbauen will, ohne abends auf exotische Cool-Drinks verzichten zu müssen, der ist mit den Wellness-Angeboten der Touristenhotels bestens bedient. Wer aber seinen Urlaub mit einer Heilbehandlung verknüpfen möchte, sollte sich schon im Vorfeld genau informieren.

Unser Kur-Tipp: das „Lanka Princess Hotel“ in Beruwala. Unter ärztlicher Aufsicht werden hier individuell Kurpakete auf den Patienten zugeschnitten. Das Grund-Programm basiert auf dem sogenannten „Panchakarma“, den fünf Wegen zur inneren Reinigung. Zusätzlich zu den Massagen, Stirngüssen und Kräuterbädern kann der Gast im Lanka Princess bei allen Mahlzeiten zwischen heimischer, pikant-vegatarischer oder deftiger westlicher Küche wählen. Zum Vergleich: Eine 40-minütige Ganzkörper-Bodymassage kostet im Kur-Hotel 37,– Euro. In der zwar einfachen, aber nicht weniger zu empfehlenden Sigiri-Dasuna-Klinik (ganz in der Nähe des Sigirya-Felsens) nur 12,– Euro.

ÖAMTC-Länderinformationen Sri Lanka

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