April 2004
Abschied von Josef Faber
Der Doyen der österreichischen Motorrad-Szene ist wenige Wochen vor seinem 88. Geburtstag in Wien gestorben.



Michael Stirner

Josef Faber mit der Honda NSR 500 GP-Maschine in seinem Museum

Josef Faber 1951 beim Rechberg-Rennen auf Jawa 350

Vater und Söhne (von links): Josef sen., Peter und Josef Faber jun.


Bilder: Archiv, Stirner

"Motorradfahrer sind bessere Menschen", hat der Sepp - so hieß der lebensfrohe Herr Kommerzialrat in seinem riesigen Freundeskreis - einmal gesagt. Und zumindest bei ihm traf dieses Pauschalurteil uneingeschränkt zu, wie auch langjährige Geschäftspartner und sogar Konkurrenten jederzeit bestätigen würden.

Aber blenden wir kurz zurück in die Zwischenkriegszeit: Nachdem der junge Josef, Sohn eines Straßenbahners aus Wien und Mechaniker bei Gräf & Stift, ersten sportlichen Lorbeer als Radrennfahrer errungen hatte, verfiel er mit Haut und Haar dem Motorrad. Seine erste Maschine: eine englische Velocette KSS 350, damals eine hochkarätige Sportmaschine mit respektablem Potenzial. Prompt packte den jungen Josef erneut der sportliche Ehrgeiz. Eine Fülle viel beachteter nationaler und internationaler Erfolge bei Straßen- und Geländewettbewerben sind der Beweis.

Dann, vor mehr als einem halben Jahrhundert, gründete Josef Faber seine Firma in Wien-Ottakring und übernahm auch gleich die Generalvertretung für Jawa-Motorräder. 1962 gelang es dem gewitzten Sepp, trotz rigoroser Einfuhr-Hürden die Honda-Generalvertretung an Land zu ziehen und damit japanischen Firmen das Tor nach Österreich zu öffnen. Erst zwanzig Jahre später übernahm die Honda-Tochtergesellschaft das von Faber gewissenhaft aufbereitete Vertriebssystem - und dazu auch Marktanteile, von denen man in anderen Ländern nur träumen konnte.

Obwohl Josef Faber in erster Linie und von ganzem Herzen Motorradfahrer war, profitierten ab 1964 auch Roller von seinem wirtschaftlichen Weitblick und seiner unumstrittenen Kompetenz: Italiens Nationalheiligtum Vespa - und damit auch die Namen Piaggio und Gilera - sind in Österreich untrennbar mit dem Hause Faber verbunden.

1985 erfüllte sich der Sepp einen Herzenswunsch: Er eröffnete im Ottakringer Stammhaus sein eigenes Motorradmuseum, das anhand prachtvoller Exponate - darunter sogar eine Velocette KSS 350 - und eines umfassenden Dokumentaionsarchivs nicht nur die persönliche Geschichte des Firmengründers, sondern die des gesamten Unternehmens widerspiegelt.

Inzwischen liegen die Geschicke der Firma in den Händen der Söhne Josef und Peter, denen der Senior bis zuletzt gern mit Rat und Tat zur Seite gestanden ist. Die meiste Zeit verbrachte der Sepp freilich in seinem Haus am Fuß des Schneebergs, wo er sich gewissermaßen vor der Haustür seinem geliebten Hobby, der Jagd, widmen konnte.

Wer hätte vor ein paar Wochen noch gedacht, dass Josef Fabers Lebensfreude und Tatendurst so überraschend verlöschen würden? Kurz vor seinem 88. Geburtstag ist ein guter und aufrechter Freund von uns gegangen - unsere Anteilnahme gilt vor allem seiner Familie, aber auch den Mitarbeitern der Firma.

In ungezählten Erinnerungen jedoch wird der Sepp mit seinem verschmitzen Augenzwinkern, seinem charmanten Wiener Schmäh und seiner berührenden Herzenswärme wohl für immer in unserer Mitte bleiben.
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