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Hier trifft der inzwischen etwas überstrapazierte Begriff Volksleiden leider wirklich zu: Rund zwei Millionen Österreicher leiden derzeit unter Rückenschmerzen. Bei 85 Prozent der Bevölkerung treten sie zumindest einmal im Leben auf – manchmal mit gravierenden Folgen: „Rückenprobleme gehören zu den häufigsten Ursachen von Arbeitsausfällen und Frühpensionierungen“, erklärt Prim. Martin Friedrich vom Orthopädischen Spital in Wien-Speising.
Der Großteil der Betroffenen hat es mit unspezifischen Beschwerden zu tun, Schmerzen also, denen keine klar erkennbaren organischen Veränderungen (wie zum Beispiel Bandscheibenvorfall, Entzündungen, Osteoporose etc.) zu Grunde liegen. Am häufigsten treten die Schmerzen übrigens in der Lenden- und Halswirbelsäule auf.
Besonders anfällig sind Menschen, die Arbeit und Freizeit hauptsächlich sitzend verbringen. „Doch auch übertriebene oder ständig falsche Bewegung sind wichtige Auslöser“, sagt der Arzt. Dazu kommen psychosoziale Faktoren wie etwa Unzufriedenheit im Job: „Sie können zu Muskelverspannungen und damit zu Rückenschmerzen führen.“
Gerade bei Menschen, die viel oder lange Zeit im Auto sitzen müssen, macht sich der Rücken häufig schmerzhaft bemerkbar. „Das Finden der passenden Sitzposition kann vor allem sehr kleinen oder sehr großen Personen Schwierigkeiten bereiten. Inzwischen gibt es aber technische Hilfsmittel, die dieses Manko ausgleichen“, sagt Oberarzt Michael Matzner, Wirbelsäulenspezialist am Wiener AKH.
Sitzmatten aus Holzperlen, die den Rücken massieren, seien grundsätzlich nicht schlecht, können aber dazu führen, dass man den sicheren Halt im Autositz verliert und sich beim Bremsen und Kurvenfahren am Lenkrad festklammert. Schlecht sind aus ähnlichem Grund auch sehr glatte Sitzbezüge. Sie bewirken, dass man während der Fahrt verrutscht – und sich unwillkürlich verkrampft.
„Die Sitzposition sollte idealerweise eher hoch sein“, so Matzner. Manche Autofahrer profitieren von Lordosenstützen in der Sitzlehne. Sinnvoll sind diese aber nur, wenn sie sich auch in der Höhe individuell auf die Rückenkrümmung des Fahrers einstellen lassen, erläutert Uwe Pöggel, Ergonomie-Referent beim deutschen Sitzhersteller Recaro. „Die Abstützung sollte ungefähr dort sein, wo der Gürtel sitzt.“
Ein sportliches Fahrwerk und Rennsitze mögen zwar chic sein, dem Rücken behagen sie weniger. Jeder einzelne Stoß drückt die Bandscheiben ein wenig zusammen (sie nehmen erst während der Nachtruhe wieder Flüssigkeit auf und „wachsen“ wieder auf die ursprüngliche Dicke. Das ist auch der Grund, warum überdurchschnittlich viele Berufs-Lkw-Fahrer (Fernverkehr) häufig mit Bandscheibenvorfall zu kämpfen haben.
Umgekehrt verursacht die halb liegende Position, die vor allem bei jungen Fahrern „in“ ist, einen Rundrücken und daher ebenfalls ziemlich bald Beschwerden, so Pöggel.
Häufig treten Schmerzen bei vermehrten Autofahrten auf, wenn man während der Fahrt besonderem Stress ausgesetzt ist – etwa in der Nacht oder bei Regen –, aber auch „bei besonderer Eile oder während mehrerer knapper Überholvorgänge“, weiß Orthopäde Klaus Valenta vom Wiener Otto-Wagner-Spital. „Man verändert dann unwillkürlich die Sitzposition, was zu einer Fehlbelastung der Wirbelsäule führen kann.“
Wenn möglich, sollte man höchstens zwei Stunden ohne Unterbrechnung am Steuer seines Autos sitzen. Matzner rät dazu, auf längeren Fahrten immer wieder Pausen einzulegen, in denen man dann sinnvollerweise ein wenig spazieren geht und Lockerungsübungen macht.
Es mag zwar kurzfristig das Gefühl der Erleichterung bringen, dennoch sollte man grundsätzlich bei akuten Rückenschmerzen nicht völlig still halten. „Schmerzvermeidungsverhalten – etwa mehrtägige Bettruhe – kann dazu führen, dass die Beschwerden nicht nur nicht vergehen, sondern sogar chronisch werden. Besser ist es, die gewohnte alltägliche Bewegung beizubehalten und eventuell nur einen Gang zurückzuschalten. Das ist für Gewebe und Stoffwechsel besser als völlige Ruhe“, betont Prim. Friedrich. Zusätzlich kann man ein leichtes Schmerzmittel einnehmen. Bringen diese Maßnahmen nichts und halten die Beschwerden mehrere Tage an, ist ein Arztbesuch ratsam. Gegen akute unspezifische Schmerzen hilft oft eine Kombination aus Schmerzmitteln, muskelentspannenden Medikamenten und manualtherapeutischen Techniken.
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Das Kreuz mit dem Kreuz
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