April 2009
Saubermänner
Alternative Kraftstoffe sind auf dem Vormarsch.

Günter Rauecker


Bilder: eckler (1), scharnagl (1), öamtc (1), werk (9)

Die Wirtschaftskrise rückt derzeit einen Aspekt der Mobilität in den Hintergrund: Fossile Kraftstoffe sind ein Auslaufmodell. Erdöl wird in den nächsten Jahrzehnten viel zu wertvoll, um es einfach in Autos zu verfeuern – vom Wunsch und Zwang nach umweltfreundlicher Mobilität ganz abgesehen.

In zehn Jahren fahren wir alle elektrisch – heißt es seit 30 Jahren. Obwohl die Hersteller derzeit mit Hochdruck an der elektrischen Zukunft arbeiten, ist ein Durchbruch nicht absehbar. Vertreter der „konventionellen“ Machart – Akkus, die einen Elektromotor versorgen – gibt es zwar schon zu kaufen. Aber das sind entweder Umbauten herkömmlicher Fahrzeuge aus „Bastelgaragen“ oder handgestrickte Elektromobile, die weder in Reichweite noch beim Platzangebot und schon gar nicht in Sicherheitsbelangen die Mindestanforderungen für die mobile Masse erfüllen. Das erste Elektroauto eines namhaften Herstellers soll 2010 auf Europas Straßen rollen: der Mitsubishi i MiEV.

Rollendes Kraftwerk. Im Gegensatz zum „normalen“ Elektroauto erzeugt ein Brennstoffzellenfahrzeug den benötigten Strom an Bord – aus Wasserstoff. Faszinierender Umwelt- aspekt: Die Brennstoffzelle produziert keine giftigen Abgase, lediglich Wasserdampf. Fast jeder Hersteller hat bereits Prototypen entwickelt, Honda führt mit seinem FCX Clarity in Kalifornien einen Feldversuch durch. Bis 2011 sollen 200 Fahrzeuge gebaut werden.

Elektro und Wasserstoff sind also noch Jahre vom Durchbruch entfernt. Bis dahin bietet sich aber der Umstieg auf serienreife Alternativ-Antriebe an.


Mit der Kraft der Pflanzen

Flüssiger Kraftstoff, der aus Pflanzen gewonnen wird – fast jeder fährt bereits damit. In Österreich ist dem Benzin 5% Bio-Ethanol, dem Diesel der 7% Bio-Diesel beigemischt. Aber auch viel höhere Anteile sind möglich: Der Kraftstoff E85 hat 85% Ethanol-Anteil. Dafür braucht man allerdings Fahrzeuge, die dafür ausgelegt sind (z.B. Ford Focus Flexifuel, Foto unten). Bei der Verbrennung der Ethanol-Anteile kommt nur soviel C02 in die Umwelt, wie die Pflanzen beim Wachsen verbraucht haben.

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Kombi-Antrieb

Hybrid: die Kombination eines Verbrennungsmotors mit einem Elektroantrieb und Akkus. Beide Motoren sorgen gemeinsam für den Vortrieb, auch eine rein elektrische Fahrt ist auf kurzen Strecken (bis maximal fünf Kilometer) möglich. Derzeit nur mit Benzin-Motor erhältlich. Pionier ist Toyota mit dem Prius (Foto unten), von dem weltweit bereits über eine Million verkauft wurden. Aktuell zieht Honda mit dem Insight nach – sein vergleichbar günstiger Preis (€ 19.990,–) wird dem Konzept zu einem weiteren Aufschwung verhelfen. Der Hybrid-Antrieb soll in naher Zukunft vor allem Luxus-SUVs (Porsche Cayenne, Audi Q7, ...) zu einem besseren Image verhelfen.

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Fahren mit Gas

Erdgasmotoren sind umweltfreundlicher als herkömmliche Verbrennungsmotoren. Und Erdgas ist noch länger verfügbar als Erdöl. In Österreich als komprimiertes Erdgas (CNG) zu haben, in anderen Ländern auch in flüssiger Form (Autogas, LPG; weniger umwelt- freundlich). Angebot an CNG-Fahrzeugen in Österreich mittlerweile aus- reichend (z.B. VW Passat EcoFuel, Foto unten). Tankstellen vor allem in Ballungs- zentren. Fahrzeuge können genauso mit Biogas fahren. Gas-Tanks entweder zusätzlich („bivalent“, schränkt Ladevolumen ein) oder statt des Benzintanks („monovalent“, Benzintank kleiner als 14 Liter). Kraftstoffpreis wegen Steuerbefreiung günstiger.

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Abfallprodukt: Wasserdampf

Ein bestechendes Prinzip: Zum Antrieb dient Wasserstoff, aus dem Auspuff kommt Wasserdampf. Das Ei des Columbus? Im Prinzip ja. Aber der Reihe nach. Wasserstoff kann auf zwei Arten in Autos verwendet werden: mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren (in diese Richtung geht etwa BMW; NOx im Abgas) oder mit Hilfe einer Brennstoffzelle. Funktionsprinzip (unten): Aus Wasserstoff und Luft wird in der Brennstoffzelle Strom erzeugt und in Akkus zwischen- gespeichert, die dann Elektromotoren speisen – etwa beim Honda FCX (Foto unten). Die Technik ist jedoch sehr aufwändig und teuer. Und vor allem: Der Wasserstoff muss erst erzeugt werden und fungiert nur als Energieträger. Entweder produziert man Wasserstoff aus Erdgas oder mit Hilfe von Strom aus Wasser. Damit hängt die Umweltfreundlichkeit der Brennstoffzelle davon ab, wie etwa der Strom für die Wasserstofferzeugung gewonnen wird (Solar, Wind, Wasserkraft oder Atomkraft, Kohlekraftwerke). Das Gleiche gilt natürlich auch für „normale“ Elektroautos.

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Unter Spannung

BILDBESCHREIBUNG Sie sind die Hoffnung für die saubere Mobilität der Zukunft: Elektroautos. Die Motoren sind ausgereift und beinahe wartungsfrei, im Fahrbetrieb keine Emissionen. Der große Knackpunkt sind die Stromspeicher, die extrem teuer sind und – im Vergleich mit konventionellen Autos – nur für eine dürftige Reichweite sorgen. Die Akku-Entwicklung geht – trotz forcierter Forschung in den letzten Jahren – nur zäh voran. Für Fuore sorgt derzeit der Tesla Roadster. Der Sportwagen in einer Auflage von ein paar Hundert Fahrzeugen zu einem Stückpreis von rund 120.000 Euro kann zwar nicht die Lösung für zukünftige Massenmobilität sein – hat aber die großen Autohersteller gehörig unter Druck gesetzt.

Mitsubishi bringt seinen kleinen i MiEV noch heuer auf den japanischen Markt, 2010 soll Europa dran sein. Reichweite ca. 130 km, Preis rund drei Mal so hoch wie das Modell mit Benzinmotor. Für 2011 verspricht Opel den Markstart seines Ampera (Foto, baugleich mit Chevrolet Volt). Die rein elektrische Reichweite liegt bei 60 km. Zusätzlich ist ein kleiner Verbrennungsmotor („Range Extender“) an Bord, der die Akkus bei Bedarf laden kann. Die Reichweite liegt dann bei 500 km. Opel deutet einen Preis von rund 32.000 Euro an.


Stromerzeugung, Infrastruktur, Auto
Voll unter Strom

Auch wenn es einmal das „perfekte“ Elektroauto gibt, bleibt immer noch die essenzielle Frage der benötigten Infrastruktur. Das Projekt „Better Place“ will im Großversuch Antworten finden. Start ist 2011 in Israel, auch ein Projekt in Dänemark ist fixiert. Strom ausschließlich aus Windkraft und Solar wird an Ladestationen (Foto unten Mitte) angeboten, Renault-Nissan entwickelt die E-Fahrzeuge (letztes Foto unten, der Z.E Concept) mit einer Reichweite von rund 150 km. Schon in zwei Jahren sollen weit über 20.000 Fahrzeuge gebaut werden. Für längere Strecken werden Akku-Wechselstationen errichtet, um so einen stundenlangen Ladevorgang zu vermeiden. Die Akkus bleiben Eigentum von „Better Place“, bezahlt werden nur die gefahrenen Kilometer. Weitere Projekte sind in Hawaii, San Francisco, Ontario und Australien geplant. Mit seinem ganzheitlichen Ansatz ist „Better Place“ bislang einmalig.

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