Februar 2010
Sparen durch Stillstand
Praxistest im Stadtverkehr: Die Start/Stopp-Automatik bringt wirklich was.

Anton Lerch, Kurt Zeillinger

Beispiel rote Ampel. Beim linken Mazda läuft der Motor (siehe Dampf) weiter, beim dunklen, baugleichen Modell dagegen hat er sich durch das Start/Stopp-System abgeschaltet.

Genaues Auslitern nach der Stadt-Vergleichsfahrt: knapp 2 Liter Unterschied.

i-stop  leuchtet grün und zeigt damit an, dass der Motor gerade nicht läuft.


Bilder: Henninger

Der Gedanke liegt auf der Hand: Nur ein laufender Motor verbraucht Treibstoff – sobald das Fahrzeug steht, müsste er eigentlich nicht in Betrieb sein. Das kann viel Sprit sparen.

Vorurteile sitzen fest. Doch viele haben noch das im Kopf, was man ihnen in der Fahrschule eingetrichtert hat: dass man den Motor an der Kreuzung keinesfalls abstellen soll. Denn oftmaliges Starten, so hieß es damals, ließe Verbrauch wie Schadstoffwerte in die Höhe schnalzen – was damals bei Autos mit Vergasern auch stimmte, bloß gibt’s die seit rund 20 Jahren nicht mehr. Einzig das zweite damals eingelernte Argument – zu häufige Benutzung des Starters ruiniert diesen und dazu auch die Batterie – gilt noch immer. Es sei denn, man fährt ein Auto mit Start/Stopp-Automatik. Eines, dass sich quasi an der Ampel selbst abwürgt.

Solche Autos sind nichts Neues: Bereits 1981 konnte man den damit ausgestatteten Golf Formel E kaufen. Doch das vom damaligen VW-Entwicklungschef Prof. Ernst Fiala zur Serienreife gebrachte Auto erwies sich als Flop. Die Zeit war noch nicht reif.

Bald in allen Autos? Immer mehr Modelle werden mit Start/Stopp-Automatik ausgestattet. Der Grund dafür sind die Verbrauchssteuern, die jedes Tröpfchen Treibstoff und damit jedes eingesparte Gramm CO2 so kostbar machen. Lassen sich doch gerade bei der Messung des Normverbrauchs in den Motor-Standzeiten die Verbrauchswerte auf relativ einfache Weise senken. Die wenigen Änderungen sind für die Hersteller weit günstiger zu bewerkstelligen als komplett neue Motoren zu konstruieren.

Der Test: ein Tag Stadtverkehr. Auf dem Papier (im Prospekt) weisen Autos mit Start/Stopp-System Verbrauchsvorteile gegenüber Autos ohne diese Technik aus. Doch wie hoch ist die Ersparnis in der Praxis? Gibt es überhaupt eine? auto touring wollte das ganz genau wissen und fuhr mit zwei identischen Mazda 3 i-stop (einer davon stets mit abgeschalteter Start-Stopp-Automatik) einen ganzen Tag im Stadtverkehr – denn nur dort ist Start/Stopp wirklich sinnvoll.

Immer hintereinander und mit regelmäßigem Fahrertausch schafften die beiden Autos innerhalb von sechs Stunden und 20 Minuten exakt 128 Kilometer, was einem Schnitt von 21 km/h entspricht. Sobald sich der Motor im dunklen Mazda 3 abgestellt hatte, lief die Stoppuhr mit. Überraschendes Ergebnis: Exakt zwei Stunden und zwei Minuten war der Motor nicht im Betrieb – das bedeutet eine Standzeit von rund einem Drittel der Fahrtdauer.

Fortschritt durch Stillstand! Genaues Auslitern an der Tankstelle vor und nach dem Test deckte sich mit der Anzeige beider Bordcomputer: Bei mittelmäßig flüssigem Stadtverkehr – wobei auch der Wiener Gürtel untertags zweimal befahren wurde – verbrauchte der weiße (Dauertest-)Mazda mit ausgeschaltetem Start/Stopp-System 11,6 l/100km. Sein identisches Pendant mit aktiviertem System dagegen nur 9,7 Liter. Das bedeutet im innerstädtischen Bereich eine Reduzierung des Treibstoffverbrauchs um fast zwei Liter pro 100 Kilometer.

Fazit: eine nachweisbare Schonung von Brieftasche und Umwelt für alle, die viel in der Stadt fahren. 




So funktioniert die Start/Stopp-Automatik
Kommt man zu einer roten Ampel oder steht man einige Zeit lang im Stau, so stellt sich der Motor selbsttätig ab. Tritt man die Kupplung, läuft er wieder, blitzschnell und jederzeit. Was anfangs etwas Gewöhnung erfordert, wird ganz schnell zur Selbstverständlichkeit.

Doch so einfach wie es klingt, ist die Technik auch wieder nicht: Es bedarf zuerst einmal einer intelligenten Regelungssoftware, die die Daten von Außen- und Motortemperatursensoren, Raddrehzahl- und Motordrehzahlsensor sowie die Stellung des Ganghebels auswertet. Ist der Motor zu kalt oder die Außentemperatur unter etwa minus zehn Grad, die Lenkung voll eingeschlagen oder der Rückwärtsgang eingelegt (zum Beispiel beim Einparken), oder verlangt die Klimaanlage eine hohe Leistung, dann darf sich der Motor nicht abstellen.
Auch ein entsprechend verstärkter Starter und eine kräftigere Batterie werden benötigt. Solche Batterien sind seit Jänner auch an ÖAMTC-Stützpunkten erhältlich.



BILDBESCHREIBUNG

BILDBESCHREIBUNG

Sparen durch Stillstand
Praxistest im Stadtverkehr: Die Start/Stopp-Automatik bringt wirklich was.

Realitätsferner Normverbrauch
Vergleichbarkeit, nicht Praxisnähe