Februar 2010
Ewig junges Duell
Hat der neue Opel Astra das Potenzial, dem Klassenprimus VW Golf gefährlich zu werden?

Christian Stich, Günter Rauecker

Geschmackssache. Klassisches Golf-Heck (li.) mit großer Klappe, dynamischer Astra-Hintern mit feschen Leuchten.

Sympatisch. Schwungvolles Astra-Design, ordentliche Materialien, vereinzelt gewöhnungsbedürftige Ergonomie (li.) Funktionell. Hochwertige Golf-Materialien, perfekte Bedienfreundlichkeit, sachlich-nüchternes Design (re.)


Bild: Heinz Henninger



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  • Foto-Show – das ewige Duell: Opel Astra gegen VW Golf
  • Foto-Show: Der VW Golf und seine Konkurrenten

  • Kaum ein anderes Duell hat in den letzten Jahrzehnten die heimische Zulassungsstatistik mehr beschäftigt, als der ewige Zweikampf zwischen Astra und Golf. Weil Opel – nicht zuletzt aufgrund der Krise von GM – in den letzten Jahren aber schwächelt, konnte der Golf seine Vormachtstellung in Österreich derart ausbauen, dass er sich aktuell mehr mit Konzernmodellen wie VW Polo oder Skoda Fabia matchen muss. Mit der Neuauf-lage des Astra scheint Opel aber nun wieder auf die Erfolgsspur einbiegen zu können.

    AUSSEN & INNEN
    Sämtliche Vorgänger, sowohl von Opel als auch von VW, setzten beim Design auf Sachlichkeit. Während VW auch beim aktuellen Golf VI diesen Weg konsequent weiterverfolgt, überrascht Opel beim neuen Astra mit einem sportlichen Auftritt und jeder Menge Esprit. Das gleiche Bild im Inneren. Hier das nüchterne

    und in allen Details durchdachte Golf-Interieur, da das sportliche und verspielte, aber weniger funktionelle Astra-Cockpit. Die Verarbeitungs-Qualität ist beim Golf auf gewohnt hohem Niveau. Auch der Astra kann mit nahezu fehlerfreier Passgenauigkeit punkten, den einen oder anderen scharfkantigen Teil findet man aber dennoch. Die verwendeten Materialien im Golf überzeugen mit größtenteils weichen Oberflächen, offensichtlich und spürbar mehr Hartplastik entdeckt man im Astra.

    Stichwort Platzangebot. Obwohl der neue Astra satte 22 Zentimeter länger und drei Zentimeter breiter und höher ist als der Golf, bietet er im Vergleich zum VW nur eine geringfügig bessere Ellbogenfreiheit vorne. Sowohl bei der Innenhöhe vorn, der Innenbreite im Fond und vor allem bei der hinteren Beinfreiheit hat der Golf die Nase vorn. Großgewachsene müssen dafür in beiden Kompaktklasse-Modellen den Kopf ein wenig einziehen.

    Das Kofferraumvolumen des Astra liegt mit 370 Litern bei aufgestellten Rücksitzen knapp über dem des Golf. Letzterer verwöhnt dafür mit einer niedrigeren Ladekante, außerdem ist das Beladen durch die größere Gepäckraum-Öffnung spürbar einfacher.
    Praktisches Astra-Feature: Mit dem aufpreispflichtigen, 60 Euro teuren Flex-Floor-System kann der Gepäckraumboden in drei Höhen verstellt werden. Konventionelle Wege beschreiten die beiden Kompakten in Sachen Variabilität. Sowohl im Astra wie auch im Golf können nur die Fondlehnen geteilt vorgeklappt werden. Komplett ebene Ladeflächen hat keiner der beiden. Zusätzlicher Golf-Nachteil: die unpraktische, knapp zehn Zentimeter hohe Stufe im Boden.

    Ein Vorbild in punkto Funktionalität ist und bleibt der Golf. In seinem Cockpit findet man sich auf Anhieb zurecht, jeder Handgriff sitzt und die Bedienung sämtlicher Funktionen erfolgt dank großer und übersichtlicher Tasten intuitiv. Nicht ganz so problemlos geht’s im Astra. Zwar ist trotz der zahlreichen und teilweise kleinen Tasten die Anordnung durchaus logisch, zum Bedienen des Bordcomputer-Menüs – die Verstellung sitzt am Lenkstockhebel – muss man allerdings die Hand vom Lenkrad nehmen. Weiteres Astra-Manko: Die im Vergleich zum Golf zu schmale, schwer justierbare und etwas zu niedrige Mittelarmlehne sowie die schlechte Sicht nach schräg hinten. Absoluter Gleichstand herrscht beim jeweils üppigen Ablagen-Angebot.

    Beim wichtigen Kapitel Sitzkomfort überzeugen beide. Noch eine Spur komfortabler thront man allerdings im Astra-Sessel. Er ist noch stärker konturiert, angenehm straff und einfach verstellbar. Die Sitze im Golf sind unwesentlich weicher, die Verstellung der Lehnen im Gegensatz zum Astra aber stufenlos. Apropos Astra: Dort kann gegen Aufpreis (€ 530,–) für den Fahrer ein Premium-Sitz mit Gütesiegel AGR (Aktion Gesunder Rücken) bestellt werden. Eine unabhängige Expertenkommission von Ärzten und Therapeuten hat dabei die Rückenfreundlichkeit des Sitzes geprüft und zertifiziert. Die Sitzposition ist bei beiden Autos dank längs- und höhenverstellbarem Lenkrad für alle Körpergrößen ideal einstellbar.


    FAHREN & SICHERHEIT
    Unter der Haube der beiden Kompakten agieren Commonrail-Diesel mit 77 bzw 92 kW. Beide Triebwerke sind zufriedenstellend kultiviert, bei höheren Drehzahlen deutlicher hörbar ist das Opel-Aggregat. Dieses liefert unterm Strich zwar die besseren Fahrleistungen, trotz 20 PS weniger schlägt sich der 1,6-l-Diesel im Golf aber tapfer und wirkt in den ersten drei Gängen mindestens ebenbürtig.

    Mit einem für die Kompaktklasse ausgesprochen komfortablen Fahrwerk überzeugen beide. Trotz deutlich kürzerem Radstand müssen Golf-Fahrer keine Abstriche in Kauf nehmen. Zusätzlich bieten beide Hersteller gegen Aufpreis ein in drei Stufen (Komfort, Normal, Sport) elektronisch verstellbares Fahrwerk an.

    Ausreichend direkt und im richtigen Maß schwergängig ist die Lenkung im Golf, noch direkter, vor allem aber präziser ist sie im Astra. Die exakten und kurz geführten Schaltungen gefallen sowohl im Astra wie im Golf.
    Ausreichende Bremsleistungen ohne Fading-Tendenz mit Werten zwischen 43 und gut 44 Metern sind bei beiden Kandidaten (mit leich- ten Vorteilen für den Golf) auch nach zehn Vollbremsungen von Hundert auf Null mit Winterreifen die Regel. Bremswege unter 40 Metern sollten mit Sommerreifen kein Thema sein.

    Für Sicherheit sorgen in beiden Modellen serienmäßig Front-, Seiten- und Kopfairbags sowie ESP. Im Golf sind darüber hinaus auch ein Fahrer-Knieairbag sowie Dreipunktgurte samt Kopfstützen an allen fünf Plätzen Standard, ein Seitenairbag für den Fond kann extra bestellt werden. Im Astra gibt’s den fünften Dreipunktgurt samt Kopfstütze hingegen nur gegen Aufpreis. Im Euro-NCAP-Crashtest schaffen allerdings beide fünf Sterne, der Golf bietet aber den besseren Fußgängerschutz.

    GELD & UMWELT
    Mit Preisen von knapp 25.000 Euro sind weder Astra noch Golf wirklich günstig. Beide Kontrahenten treten aber in der jeweiligen Top-Variante an und unterscheiden sich dabei um lediglich zehn Euro. Bei Opel bekommt man sogar noch 20 PS geschenkt. Beide Kandidaten verfügen über eine umfangreiche Serienausstattung. VW hat neben der besseren Sicherheits-Mitgift aber zusätzlich auch Nebelscheinwerfer, elektrische Fensterheber hinten und einen höhenverstellbaren Beifahrersitz aufpreisfrei an Bord. Gewohnt umfangreich: das jeweilige Extra-Angebot.

    Gleich motorisiert, aber weniger gut ausstaffiert gibt’s den Astra als „Edition“ schon ab 22.530 Euro, der Golf BlueMotion Technology startet als Trendline bei 22.120 Euro.
    Wenig überraschend jeweils die niedrigen Verbräuche. Der Astra begnügt sich mit rund 6,5 Liter Diesel, der Golf BlueMotion Technology profitiert von der serienmäßigen Start/Stopp-Automatik und schafft Werte von knapp unter sechs Liter. In Sachen Garantie endet das Duell mit jeweils nur zwei Jahren unentschieden.

    BILDBESCHREIBUNG

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    Der Sieger

    BILDBESCHREIBUNGDas ewig junge Duell Opel Astra gegen VW Golf geht in eine neue Runde. Und eines steht schon jetzt fest: So knapp war der Astra am seit Jahren unangefochtenen Klassenpriumus Golf noch nie dran. Dass unterm Strich abermals der Golf als Sieger hervorgeht, liegt vor allem an seinem guten Platzangebot, der unerreicht logischen Funktionalität und der insgesamt hohen Wertigkeit. Der fesche und fahraktive Astra kann in seiner Neuauflage nahezu alles besser als bisher. Vor allem Sitz- und Fahrkomfort sind erheblich gestiegen. Trotzdem kann er den Golf unterm Strich nicht überflügeln. Aber die Gesamtnote lautet auch beim Astra „Gut“ – in der Schule für viele ein Traumresultat.

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