Februar 2010
Allzeit bereit…
Zuverlässigkeit, Qualität und reichlich Raum ohne Protz und Prunk – der Subaru Forester Boxer Diesel nach 12 Monaten im Dauertest.

Anton Lerch

Waldläufer: Bei mehr als 20 cm Bodenfreiheit  sind auch von Traktoren ausgefahrene Forstwege  kein echtes Problem für den Subaru Forester.

Übersichtliche Armaturen, gediegene Verarbeitung, aber ein eher schlichtes Ambiente der Armaturenlandschaft.

Winterfreuden: Permanenter Allradantrieb und selbstsperrendes Mitteldifferenzial sorgen für  sichere Traktion auf Schnee und Eis.


Bild: Henninger, Alschner, Rauecker, König


Ein wenig eigenbrötlerisch, ehrlich, anders als die ungezählten Pseudo-Geländewagen, die sich neuerdings wie Sand am Meer im städtischen Bereich breit machen, das ist ­Suba­rus Bestseller, der Forester. Und weil er immer ein Arbeiter war, der deutlich mehr kann, als man ihm zunächst zutrauen würde, wurde er zum Liebkind von Jägern und Forstleuten – von Leuten also, die den robusten Allradantrieb genauso brauchen wie das Raumangebot.

Dass damit allein kein Staat zu machen ist, hat Subaru mittlerweile erkannt und die Neuauflage des Foresters so positioniert, dass der einst pummelige Forester nun auch neben Schicki-Micki-SUVs eine durchaus stattliche Figur macht. Und weil ein Diesel längst überfällig war, hat man dem Forester dazu gleich einen Selbstzünder verpasst. Manche mögen im Boxer-Motor eine Schrulle der erzkonservativen Japaner sehen, diese Bauform hat aber zusammen mit 4wd durchaus ihre Meriten, Stichwort: „symmetrischer Allradantrieb“.

Gut 50.000 km diente der Forester Boxer Diesel als Mädchen für alles im Testfuhrpark: auf Autobahnen genauso wie auf Feldwegen, für Reisen aller Art, mit und ohne Wohnwagen am Haken, als Transporter und sogar als Traktorersatz, als es einmal galt, eine Fuhre Holz auf einem Anhänger aus dem Wald zu holen – ein Jahr unkompliziertes, angenehmes und harmonisches Zusammenleben, in bester Pfadfinder-Tugend „allzeit bereit“.

AUSSEN & INNEN
••••
Solide Hausmannskost hat durchaus Vorteile. Die stattliche Bodenfreiheit ergibt eine erhabene Sitzpostion und beste Übersicht, dazu reichlich Raum mit großzügiger Kopf- und Beinfreiheit auch im Fond. Bei vernünftigen Außenabmessungen wartet der Forester mit komfortablem Gestühl und reichlich Raum auf. Der Kofferraum lässt sich zwischen 450 Liter und fast 1,7 Kubikmeter Inhalt variieren. Nachteil des Allradantriebs ist die recht hohe Ladekante. Längst nicht mehr selbstverständlich: Unter dem ebenen Ladeboden hält der Forester ein vollwertiges Reserverad bereit.

Das riesige Glas-Schiebedach schätzen Sonnenanbeter und vielleicht auch Jäger. Ebenso wie das hervorragende Xenon-Licht ist dies aber nur der „Comfort“-Variante des Forester vorbehalten. Klare, unmissverständliche Bedienungselemente und ein simpler Bordcomputer mit Anzeigen für Uhrzeit, Außentemperatur und Durchschnittsverbrauch komplettieren den praxisorientierten Gesamteindruck.

Solidität bis ins Detail: Fertigungs- und Materialqualität sind perfekt, Abnützungserscheinungen traten bis zum Ende des Test nicht auf. Der Forester wirkte auch nach 50.000 harten Kilometern wie aus der sprichwörtlichen Auslage, kein Klappern und die Türen fielen genauso satt ins Schloss wie zu Beginn.

Die Serienausstattung des Forester lässt keine Wünsche offen: ABS, ESP, Traktionskontrolle, Tempomat, Klimaautomatik, Niveauregulierung, Alufelgen, CD-Radio und sechs Airbags gibt’s in allen Modellvarianten.

FAHREN & SICHERHEIT
•••••
Trotz permanentem Allradantrieb und einer Drehmomentverteilung von 50:50 ist das Fahrverhalten nicht klar kalkulierbar: Je nach Lenkeinschlag und Leistungseinsatz drängt der Forester in Kurven leicht mit den Vorderrädern oder mit dem Heck – durch ESP bestens kontrolliert – zur Kurvenaußenseite. Dass der Forester wohl eher für die USA entwickelt und besonders komfortabel abgestimmt wurde, merkt man am leichten Wanken der Karosserie in Kurven, auch die Lenkung ist nicht so exakt wie bei manchen Europäern. Perfekt dagegen der Allradantrieb mit Visco-Sperre des Zentraldifferentials, die Traktionskontrolle und die Berganfahrhilfe. Und mit 21,5 cm Bodenfreiheit darf es auch ins leichte Gelände gehen.

Der Boxer-Diesel ist ein Gedicht: laufruhig, durchzugskräftig und dazu vernünftig im Verbrauch. Im Mittel (inklusive 10.000 km Anhängerbetrieb) hat sich der Verbrauch bei 7,7 l/100 km eingependelt, das Minimum lag bei 6,0 l/ 100 km, das Maximum bei 10,4 (Autobahn mit Wohnwagen). Die beim Benziner serienmäßige Geländeuntersetzung fehlt beim Diesel, er macht dies mit seinem hohen Drehmoment schon bei niedrigen Drehzahlen wett.

Einziges Manko war am Beginn ein gelegentliches Ruckeln im Leerlauf, das durch eine neue Software beim ersten Service behoben wurde. Kritik betraf auch das Getriebe: Obwohl das Hakeln der unteren beiden Gänge im Laufe der Kilometer deutlich nachgelassen hat, ließ sich vor allem der erste Gang im kalten Zustand oft nur mit Nachdruck einlegen.

Zum Thema Sicherheit ist mit Front-, Seiten- und Vorhang-Airbags bestens vorgesorgt. Bis dato existiert noch kein Euro-NCAP-Test vom Forester, aber ein ähnlicher Test in Amerika hat hervorragende Ergebnisse hinsichtlich der passiven Sicherheit erbracht.

GELD & UMWELT
••••
Bei einem Fahrzeug des Forester-Formats beruhigen 170 g CO2/km nicht nur das grüne Gewissen, auch der NoVA-Malus hält sich in akzeptablen Grenzen. Trotzdem stieg der Preis des Forester auf nunmehr € 36.290,–, sofern man auf die XS Comfort-Version besteht. Um gut 3.000 Euro billiger gibt es die Classic-Variante. Worauf muss man dann verzichten? Panorama-Glas-Schiebedach, Dachreling und -Spoiler, Xenonlicht, aufklappbare Ablage mit Getränkehaltern hinten und das aufwändigere Audio-System samt Radio-Fernbedienung am Lenkrad bleiben nur dem Topmodell vorbehalten, sonst sind die beiden Varianten identisch. Die aufwendige Allrad-Technologie ist für alle Modellversionen absolut gleich, und seit es den prächtigen Boxer-Diesel gibt, stellt der geringfügig billigere Forester mit Benzinmotor ohnedies kaum mehr eine ernst zu nehmende Alternative dar.


Unterm Strich:

BILDBESCHREIBUNG Allradantrieb, Bodenfreiheit, Fahrkomfort, toller Diesel.

BILDBESCHREIBUNG Lenkung schwammig, kaltes Getriebe hakelig.


BILDBESCHREIBUNG


Ewig junges Duell
Hat der neue Opel Astra das Potenzial, dem Klassenprimus VW Golf gefährlich zu werden?

Allzeit bereit…
Zuverlässigkeit, Qualität und reichlich Raum ohne Protz und Prunk – der Subaru Forester Boxer Diesel nach 12 Monaten im Dauertest.

Abrüster
Der Kia Sorento hat ordentlich Ballast abgeworfen

Auf große Reise
BMW 530d GT: Ein Gran Turismo im wahren Sinn des Wortes.

Jetzt aber!
Den Mazda CX-7 gab es bisher nur als Benziner. Endlich wird auch ein Dieselmotor angeboten.

Der Löwe wird blau
Peugeot 207 99g Blue Lion: Außen von anderen Löwenkindern kaum zu unterscheiden.

Neue alte Werte
Facelift heißt beim Kia cee’d im wahrsten Sinn des Wortes: neues Gesicht. Und dazu gibt es noch das Start-Stopp-System „ISG“.

Auch Sparen ist relativ
Mini One D. Neues Diesel-Einstiegsmodell mit etwas weniger Leistung und Ausstattung.

Victoria Beckham
Schlank und stilvoll wie das Ex-Spice Girl: Mercedes E 350 CDI Coupé.

auto touring
vor 25 Jahren

Alte Tests und Kuriositäten