|
Auf einen Klick: Für jeden Natur-, Tier- und Menschenliebhaber ist Kanada das Traumland schlechthin. Endlose Wälder, weite Prärien, unglaubliche Berge, Seen wie aus dem Märchenbuch. Für einen einzigen Urlaub ist dieses Land zu gewaltig – man muss sich jeweils einen Teil herauspicken. Zum Beispiel mit dem Mietwagen oder Wohnmobil von Vancouver in British Columbia (ja genau, die Olympischen Spiele) nach Calgary in Alberta (Olympische Winterspiele 1988). Und dazwischen die Rocky Mountains. Familien-Erlebnis. Wenn junge Familien Bedenken haben, solch eine Reise gemeinsam mit dem Nachwuchs zu unternehmen – die kann man schnell zerstreuen. Die größte Herausforderung ist es, den Zwölfstunden-Flug nach Vancouver für die Kinder einigermaßen kurzweilig zu gestalten. Schafft man diese Hürde, hat man schon gewonnen. Neben den unvergesslichen Naturerlebnissen machen es vor allem die Einheimischen zu einem Vergnügen, ihr Land zu bereisen. Fast kein Restaurant, in dem man nicht zu allererst ein „kid’s package“ (etwa Zeichenblöcke samt Farbstiften) bekommt; kein Hotel, in dem Familien nicht herzlich willkommen sind. Generell sind die Kanadier freundlich, hilfsbereit und interessiert – wobei sie aber die Oberflächlichkeit, die ihre US-amerikanischen Nachbarn manchmal an den Tag legen, wohltuend vermissen lassen. Vancouver. Die Metropole von British Columbia schafft es immer wieder, zu einer der Städte mit der höchsten Lebensqualität weltweit erkoren zu werden. Vom Pazifik abgeschirmt durch Vancouver Island und umgeben von Bergen, ist Vancouver eine der grünsten Städte der Welt. Eine empfehlenswerte Möglichkeit zur Erkundung ist ein Zwei-Tage-Ticket des „Big Bus“. Die Route der offenen Doppeldecker-Busse deckt beinahe alle Attraktionen der Stadt ab. Raum zur Erholung bietet der 400 Hektar große Stanley Park direkt neben der Innenstadt – der größte Stadtpark Kanadas. Mittendrin das Vancouver Aquarium, ein absolutes Muss mit seinen Weißstreifen-Delfinen und Beluga-Walen. Beinahe die Hälfte der Einwohner Vancouvers gehört einer Minderheit an, mit 30 Prozent sind die Chinesen die größte Gruppe. So findet sich hier nach San Francisco die zweitgrößte Chinatown Nordamerikas. Aber die multikulturelle Gesellschaft funktioniert, Probleme sind die Ausnahme. Kanada ist weltweit das Einwanderungsland schlechthin, hat aber klare Regeln und Ziele aufgestellt. Und es klappt. Auf dem Weg Richtung Rockies ändert sich die Landschaft zur Prärie. Hier fehlt im Sommer der kühlende Einfluss des Pazifik, das Thermometer kann bis zu 40 Grad anzeigen. Und hier findet man die besten Weinbaugebiete, etwa Similkameen Valley oder Okanagan Country. Guter Zwischenstopp ist die kleine Stadt Penticton zwischen Okanagan Lake und Skaha Lake. Die beiden Seen sind durch einen mehrere Kilometer langen Kanal verbunden. Ein Riesenspaß ist es, sich mit Luftmatratzen oder aufgeblasenen Lkw-Reifenschläuchen von einem See zum anderen treiben zu lassen. Zeitsprung. Auf dem Weg nach Norden entlang des Okanagan Lake darf man eine weitere Familien-Attraktion nicht versäumen: die Kettle Valley Steam Railway in Summerland. Mit einer originalgetreu restaurierten Dampflok (Baujahr 1912) geht es zehn Meilen durch die kanadische Prärie, betreut von Sheriff, Schaffner und Saloon-Girls. Für den Banjo-Sound sorgt Felix – wie sich herausstellt, ein ausgewanderter Wiener. Und wüsste man es nicht besser, könnte der Zug-Überfall durch Banditen auf ihren Pferden Angst machen – genau so muss es vor 150 Jahren gewesen sein. Wälder, Berge, Seen. Nächstes Ziel ist der 5.400 km2 große Wells Gray Provincial Park am Oberlauf des Clearwater River. Der Asphalt weicht Schotterpisten, die Hausnummern weichen Kilometer-Angaben. Helmcken Falls Lodge (www.helmckenfalls.com), ursprünglich eine Unterkunft für Trapper, findet sich bei Kilometer 35. Für die Gäste wurden einige Blockhäuser errichtet, Wohnmobile finden ebenfalls Platz. Typisch auch hier: die familiäre und unkomplizierte kanadische Atmosphäre. Am Clearwater River kann man im Juli und im August den Zug der Lachse beobachten – für den sich auch so mancher Grizzly interessiert. Unvergesslich ist ein Ausflug mit dem Motorboot über den Clearwater Lake bis zu den Rainbow Falls am Azure Lake. Für mehrtägige Erkundungen mit dem Kanu gibt es an den Ufern einige Camp-Sites – jede ausgestattet mit einem „bear cache“, einer winzigen, bärensicheren Hütte, in die man sich im Fall des Falles schnell zurückziehen kann. Viele Natur-Touristen lassen sich mit dem Boot (www.clearwaterlaketours.com) in die unberührte Natur bringen, um dann mit ihrem Kanu innerhalb einer Woche gemütlich wieder in Richtung Zivilisation zu paddeln. Ein Geheimnis, warum diese Gegend fast nicht besiedelt wurde, ist ihre vulkanische Geschichte: Die letzten Vulkanausbrüche sind erst 400 Jahre her. Ein Kanadier hat uns während der Bootsfahrt das Gebiet und seine Trails (Wanderwege) auf seiner Karte gezeigt – und gleichzeitig gewarnt: Auf den einsamsten Trails kann man schon einmal einem Grizzly begegnen. Auf dem Weg zum größten Nationalpark in den kanadischen Rockies, dem Jasper Nationalpark (etwa so groß wie Kärnten), verlässt man British Columbia und kommt in die Provinz Alberta. Jasper war ursprünglich ein Handelsposten der Hudson’s Bay Company und ist auch heute noch ein zwar touristisches, aber kleines Dorf. Die Bautätigkeit ist streng reglementiert – damit blieb der ursprüngliche Charme erhalten. Kleine, verträumte Seen, Wandertrails (Tipp: Singen und Lärm verscheucht die Bären) oder ein Ausflug mit der Harley in die Berge mit der ganzen Familie – der Beiwagen macht es möglich. Icefields Parkway. Hier beginnt auch der 230 Kilometer lange Icefields Parkway, eine der schönsten und atemberaubendsten Straßen der Welt. Entlang des Athabasca River windet sich der – hervorragend ausgebaute – Parkway auf 2.000 Meter Höhe zwischen den knapp 4.000 Meter hohen Gipfeln der Rockies nach Süden. Hier findet sich auch das Columbia Icefield, das größte Gletschergebiet der Rocky Mountains. Beeindruckend: ein Ausflug auf den Athabasca Gletscher mit einem allradgetriebenen Ice Explorer. Diese Gefährte wurden ursprünglich für Antarktis-Forschungsstationen entwickelt und bieten Platz für 56 Passagiere. Ab Oktober ist der Parkway geschlossen – hier schneit es im Winter bis zu sieben Meter Schnee. Auch die Temperaturen können arktisch werden – der Rekord liegt bei minus 52 Grad. Banff National Park. Weiter geht es in den benachbarten Banff Nationalpark. Am Bow Lake bietet sich ein atemberaubendes Panorama – von Gletschern wie dem Crowfoot Glacier gespeist, verschwindet das letzte Eis oft erst im Juni. Übernachtungsmöglichkeit direkt am See bietet die verträumte Num-Ti-Jah Lodge, das einzige Gebäude weit und breit. Eingewöhnung an die Zivilisation bietet dann der Lake Louise: ein imposanter Gletschersee, aber anscheinend auch im Programm japanischer Reisebüros. Zum Abschluss bietet Calgary noch einmal viel Kurzweile für den Nachwuchs: Empfehlenswert ist ein Besuch im Calgary Zoo (tolles Dinosaurier-Gelände) und im „Telus World of Science“, in dem Kindern die Welt der Wissenschaft spielerisch und mit tollen Experimenten näher gebracht wird. Noch ein Tipp: Bei einem Leihwagen ist die Miete von Kindersitzen teuer, außerdem entsprechen sie nicht dem europäischen Sicherheitsstandard. Daher: die eigenen mitnehmen – die Fluglinie Air Transat etwa befördert sie gratis. Fakten: Kanada Kanada ist nach Russland das zweitgrößte Land der Erde – Österreich passt flächenmäßig fast 120 Mal in das nordamerikanische Land. Während sich bei uns 100 Einwohner auf einem Quadratkilometer drängeln, sind es in Kanada drei. Bei Reisen innerhalb des Landes muss man mit sechs Zeitzonen zurechtkommen. Die Einreise ist – im Gegensatz zum Nachbarn USA – unkompliziert. Es reicht ein noch sechs Monate gültiger Reisepass. Für einen Euro bekommt man derzeit 1,48 kanadische Dollar (liegt also fast gleichauf mit dem US-Dollar). Flugzeit: an die Ostküste (Toronto, Montreal) rund neun Stunden, nach Vancouver etwa zwölf Stunden. Unbedingt empfehlenswert: Reisekrankenversicherung (etwa den ÖAMTC Weltreise-Krankenschutz) abschließen. Für den Westen sollte man sich zumindest zwei Wochen Zeit nehmen. Kanada-Spezialisten wie etwa FTI stellen auch individuelle Reisen zusammen. |
Kanada kinderleicht
Dabei sein ist alles – nicht nur bei den Olympischen Spielen in Vancouver. Gerade für Kinder ist das Land des Ahorns eine Erfahrung fürs Leben. La Isla Bonita Vulkane, bunte Häuser, viel Natur: La Palma ist die geheimnisvollste Insel der Kanaren. Flotter Achter Die Salzburger Sportwelt treibt den Skifahrern das Jammern aus. Kurz und Bündig Neues aus der Reisewelt |