Februar 2010
Edle Zurückhaltung
Das Flaggschiff aus dem Hause Audi, der neue A8, trägt seine Vorzüge vor allem unter der Haube zur Schau.



Christian Stich

Neuer Audi A8. In der dritten Generation noch agiler als bisher

Kommandozentrale. Unzählige Funktionen, hochwertige Materialien, perfekte Verarbeitung.

Familienbande. Von hinten erinnert der neue A8 stark an die Mittelklasse-Limousine A4


Bilder: Werk

Luxuslimousinen sieht man selten. Die großen Edelkarossen zählen fast schon traditionell zu den Exoten im heimischen Straßenbild. In den letzten vier Jahren hat sich der ohnehin geringe Anteil aber nochmals halbiert und hält 2009 bei nur noch 0,17 Prozent Marktanteil oder 535 Fahrzeuge. 2005 wurden von Audi A8, BMW 7er, Mercedes S-Klasse und Co. noch 768 Modelle verkauft. Viel wichtiger für die Hersteller von Luxuslimousinen sind neben den USA mittlerweile aber vor allem die Märkte in Asien und speziell in China.

Ende März erscheint der neue Audi A8. Das Flaggschiff der Ingolstädter ist 5,13 Meter lang, knapp zwei Meter breit und damit fast acht Zentimeter länger und fünf breiter als der Vorgänger. Optisch erinnert der A8 – vor allem von hinten – an den gut zwei Nummern kleineren Bruder A4.
Auffälligstes Merkmal an der Front sind die neuen LED-Scheinwerfer (ab rund 2.500 Euro Aufpreis), die sämtliche Lichtfunktionen mit Leuchtdioden realisieren. Zum Serienumfang zählen Xenon-Scheinwerfer, die sich automatisch an die Umgebung wie Stadt, Land oder Autobahn anpassen. Ein integriertes Allwetterlicht ersetzt überdies in Zukunft die bisherigen Nebelscheinwerfer.

Wie schon bisher ist die Karosserie komplett aus Aluminium gefertigt, ihr Gewicht beträgt lediglich 231 Kilogramm. Zum Vergleich: Wäre die Karosserie aus Stahl ausgeführt, würde der Aufbau rund 40 Prozent mehr wiegen. Das Gesamtgewicht des neuen A8 startet somit bei etwas mehr als 1.800 Kilogramm.

Der Innenraum verwöhnt mit hochwertigen Materialien und perfekter Verarbeitung. Das Design des wuchtigen Armaturenträgers ist audi-typisch sachlich und bis auf vereinzelte Bedienelemente logisch bedienbar. Beim Bedienkonzept feiert ein Touchpad Premiere. Dabei können Namen oder Zahlen für Navigation oder Telefon per Handschrift eingegeben werden. Das Navigationssystem nutzt darüber hinaus die spezialisierten Dienste von Google für Infos zu Wetter, Reiseplanung, Restaurants etc.

Für passive Sicherheit sorgen zahlreiche, aufpreispflichtige Assistenzsysteme. Das dreistufige Sicherheitssystem „pre sense“ soll Unfälle verhindern oder zumindest vermindern. Kurz vor einem Aufprall werden alle Systeme in Alarmbereitschaft versetzt und akustische sowie optische Warnungen ausgegeben. Reagiert der Fahrer immer noch nicht, bremst der A8 selbständig und vermindert so den Crash erheblich. Der Audi „lane assist“, die Parkassistenzsysteme, der radargesteuerte Tempomat, der Nachtsichtassistent mit Markierung erkannter Fußgänger und die Tempolimitanzeige, die im Lauf des Jahres folgt, dienen ebenfalls der Sicherheit beziehungsweise dem Komfort des Fahrens.

Das Platzangebot ist für die beiden Frontpassagiere hervorragend, die Sitze sind vielfach verstellbar und für jede Körpergröße ideal einstellbar. Im Fond reisen bis zu drei Personen bequem, das Platzangebot für die Beine ist aufgrund der großen Sessel aber erstaunlicherweise nur mittelmäßig. Zudem schränkt das schmale Heckfenster die Sicht nach hinten deutlich ein. Das Kofferraumvolumen ist mit 510 Litern ordentlich groß dimensioniert.

Zur Markteinführung am 25. März stehen vorerst zwei V8-Motoren zur Wahl – zum einen der 4,2-Liter-Benzindirekteinspritzer mit 273 kW (372 PS) ab 102.800 Euro sowie ein 4,2-Liter-Diesel mit 258 kW (350 PS) ab 102.500 Euro. Beide Triebwerke sind exzellent gedämmt und liefern mächtige Fahrleistungen. Dank permanentem Allradantrieb gibt’s Traktion im Überfluss und ein im Vergleich zu den Konkurrenten BMW 7er und Mercedes S-Klasse überaus agiles und erstaunlich leichtfüßiges Handling. Besonders angenehm: die sanft und unmerklich schaltende Achtgang-Automatik.

Im Herbst folgt mit dem 3,0-l-V6-Diesel (ab 81.150 Euro) die vernünftigste und wohl auch sinnvollste Antriebsvariante. Der 184 kW (250 PS) starke TDI liefert absolut ausreichende Fahrleistungen und soll sich mit nur 6,6 Liter Diesel begnügen. Ein Jahr später rundet schließlich ein noch schwächerer 3,0-Liter-TDI mit multitronic die Palette nach unten ab. Er leistet 150 kW (204 PS), treibt nur die Vorderräder an und verbraucht laut Werksangabe nur 6,0 Liter auf hundert Kilometer. Noch heuer im Herbst folgen benzinerseitig außerdem noch ein Dreiliter-V6 mit 213 kW (290 PS) sowie Ende des Jahres eine Langversion. Die leistungsmäßige Spitze markiert ebenfalls Ende 2010 der 6,3-Liter-W12 mit mächtigen 368 kW (500 PS).

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