September 2000
Sicherheit braucht Platz!
Was die große ÖAMTC-Protestaktion Bauen statt stauen den Autofahrern gebracht hat.
 

A1 Richtung Wien, Abfahrt Asten: 3 Fahrstreifen, Pannenstreifen, Pannenbucht, Lärmschutz und Mittelwand mit Blendschutz

A1 Richtung Wien bei Mondsee: Solche gefährlich schmalen Baustellen ohne Millelsicherung soll es bald nicht mehr geben

Bilder: B. Matzke

Endlich: Auch die Regierung hat erkannt, daß Sicherheit Platz braucht. Denn besonders häufig kracht es auf überlasteten und zu schmalen Strecken. Etwa auf der Südautobahn (A2) im Wechselabschnitt oder dort, wo Autobahnen überhaupt fehlen – wie bei der Wiener Umfahrung.

Was hat der Club erreicht? Zunächst: Viele Unfallschwerpunkte an Baustellen werden entschärft. Weil Gegenverkehrsbereiche verbreitert und die vom Club verlangten Mittelwände eingesetzt wurden, ging etwa der Ausbau im Großraum Linz ohne Kata- strophen über die Bühne. Ausgehend von diesen positiven Erfahrungen – noch im September soll die Strecke bis zur Ennsbrücke fertig sein – soll die Westautobahn (A1) nun auch in NÖ auf sechs Fahrstreifen erweitert werden.

Weitere Verbesserungen: Der zu schmale, besonders unfallträchtige Gegenverkehr bei Amstetten wurde auf die neue Betondecke umgelegt: Lkw können nicht mehr plötzlich im zu weichen Untergrund neben der Fahrbahn einsinken und umkippen. Auch der Abschnitt Pöchlarn–Ybbs wird übrigens mit drei Fahrstreifen samt Pannenstreifen und Buchten errichtet.

Todesfalle Tunnel. Die langjährigen Forderungen des Clubs nach Tunnelausbauten ziehen erste Erfolge nach sich: Die zweite Röhre des Selzthaltunnels der Pyhrnautobahn (A9) ist praktisch fertig. Mit Volldampf wird an der zweiten Röhre des Grazer Plabutschtunnels gebaut. Angegangen wurde auch der Vollausbau des steirischen Packabschnitts der A2 mit dem besonders gefährlichen Herzogbergtunnel. Die zweite Röhre des Gräberntunnels in Kärnten soll noch heuer begonnen werden. Projekte für die zweiten Röhren am Tauern- und Katschbergtunnel werden auch heuer erwartet.

Die nächsten Vorhaben bei Lückenschluß und Sanierung: An erster Stelle steht die Wiener Südumfahrung (B301) inklusive Anbindung an das bestehende Straßennetz am nördlichen Donauufer zum Knoten Kaisermühlen. Dichtauf folgen der längst fällige Lückenschluß auf der A9, der Ausbau des Packabschnitts im Zuge der A2 sowie die Weiterführung der Generalsanierungen auf A1 und A2.

Große Vorhaben. Noch fehlen aber auch der Semmering-Straßentunnel und die im wahrsten Sinn des Wortes lebenswichtigen zweiten Tunnelröhren im Tauern-, Katschberg- und Ambergtunnel. Industrie und ÖAMTC verlangten darüber hinaus bei einer hochkarätig besetzten Mobilitätsenquete der Öamtc Akademie in Linz neben dem durchgehenden sechsspurigen Ausbau der A1 eine lückenlose Autobahnverbindung von Linz nach Prag, eine Autobahn-Ostumfahrung für den Großraum Linz sowie eine leistungsfähige Anbindung des Wirtschaftsraumes Steyr und des Linzer Flughafens an die Westautobahn.

Wer soll das alles zahlen? Jetzt liegt es an der Bundesregierung, alle Versprechen einzulösen und für eine tragfähige Straßen-Finanzierung zu sor-gen. Genauso rasch wie das Belastungspaket über die privaten Pkw-Fahrer verhängt worden ist, muß nun ein Finanzierungskonzept für die Infrastruktur auf den Tisch!

Die Fakten sind: Weit mehr als 100 Milliarden Schilling zahlt der Kraftfahrzeugverkehr – überwiegend der private – an Abgaben jährlich in das Bundesbudget ein. Mit einem Bruchteil davon wäre die Straßenfinanzierung bereits gesichert. Zwei Milliarden an Mehrwertsteuer werden zusätzlich die hohen Kraftstoffpreise allein im heurigen Jahr bringen. Diese Einnahmen müssen zweckgewidmet für Infrastrukturvorhaben verwendet werden!

Das Lkw-Road Pricing ist termingerecht ab Juli 2002 einzuführen: Die jährlichen Einnahmen von 2,5 Milliarden Schilling sind für das hochrangige Straßennetz zweckgebunden. Bis zur faktischen Einführung des Lkw-Road Pricing fordert der ÖAMTC von der Bundesregierung eine Finanzierungsgarantie im Ausmaß der geplanten Einnahmen. Der Beitrag des Schwerverkehrs bis zur Einführung der Lkw-Maut könnte zwischenzeitlich in einer Erhöhung der Kraftfahrzeugsteuer bestehen. Für LKW blieb diese ja im Gegensatz zur motorbezogenen Versicherungssteuer bei Pkw und Motorrädern bislang unangetastet.

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