
Helmut Zwickl
Bilder: Rottensteiner (1), Archiv (2)
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Im Jahr 1949 hatte es in Wien 10.467 Verkehrsunfälle gegeben, in 354 waren Fuhrwerke verwickelt, 71 gingen auf das Konto von scheuenden Pferden, 225 passierten durch Auf- und Abspringen bei fahrenden Fahrzeugen, womit vermutlich die Tramway gemeint war.
In Los Angeles zählte man 1950 bereits 600.000 Pkw. In Wien gab es 63.000 Fahrzeuge. Ende 1980 sollten es dann 560.000 sein.
Der ÖAMTC hatte 40.000 Mitglieder und die Firma Denzel bot in einem Inserat ihren „Volkswagen mit Spezialkarosserie“ an: Der Preis für den kompletten Sportwagen betrug S 45.000,–.
Der Tatraplan erregte Aufsehen: eine schnittige Limousine mit 52 PS, die unvorstellbare 130 km/h Spitze lief. Mein Onkel nahm mich einmal mit und er wagte, das
Auto zwischen Schwechat und Schwadorf auszufahren. Die holprige Bundesstraße, auf der die russischen Panzer gerne spazierenfuhren, wurde plötzlich schmal wie ein Feldweg, und der Tacho schwindelte uns 150 vor. Mein Onkel saß wie Caracciola am Steuer, mit stark abgewinkelten Armen, die Nase keine zehn Zentimeter vom Lenkrad entfernt.
In Silverstone stellte Rover ein Gasturbinenauto vor. Die Zeitungen schrieben: „Das ist die Zukunft.“ Sie irrten – wie so oft.
In Deutschland kostete ein VW-Käfer 4.800 Mark, dafür mußte man knapp 16 Netto-Familieneinkommen auf die hohe Kante legen, bei einem durchschnittlichen Monatsverdienst von 305 Mark.
In einem Testbericht über das VW-Modell Baujahr 1951 hieß es: „Einer der wesentlichen Vorzüge dieses Wagens ist seine hohe Fahrsicherheit, bedingt durch die ausgezeichnete Straßenlage…“
Man empfahl alle 1.000 Kilometer einen Ölwechsel. Zum Messen der Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 brauchte man keine Stoppuhr, sondern eher einen Kalender. Im Ernst: Es vergingen 50 Sekunden.
Der Opel Olympia galt als Feinspitz-Auto. 37 PS und Dreigang-Schaltung. Mit 9,3 Liter auf 100 km bezeichnete man ihn damals als sparsam…
Am 4. Juni 1951 wurde der Benzinpreis von S 2,13 auf
S 2,38 erhöht. Ab 1. August dann auf S 2,92. Ende 1951 waren in Österreich 290.258 Fahrzeuge zugelassen, davon 56.602 Pkw und Kombi. Und es gab bereits 152.439 Motorräder.
1952 klagte man: Die Autopreise hätten sich gegenüber der Vorkriegszeit verzehnfacht, der Lohn aber nur verfünffacht. Die großen Wagen, so hieß es auf dem Genfer-Automobilsalon, die Großen also wie Daimler, Rolls Royce, Bentley, Austin, Humber, Delahaye, „waren an einer gewissen Entwicklungsgrenze angelangt.“
Ein Renault 4 CV kostete S 51.400,–. Opels neuer Kapitän leistete 1953 68 PS und wurde angesichts seiner 1.190 kg als „erstaunlich leicht“ eingestuft – wie ein ÖAMTC-Tester befand.
Die Straßen in Österreich sind immer noch ekelhaft schlecht, und der fakirbrettartige Komfort der Autos wird damit kaum fertig. Motorräder mit Beiwagen sind das erschwingliche Traumziel jener Jahre, der Sonntagsausflug in den Wienerwald wird zur Tagesreise, von Gumpoldskirchen fährt man nach vier Vierteln ungeniert heim.
In Wien wird ein generelles Hupverbot erwogen, und auf der Internationalen Automobil- und Zweiradausstellung auf dem Wiener Messegelände sehen die Besucher erstmals Autos, die sie bis dahin nur vom Hörensagen kannten. Protzige Ami-Schlitten wie einen 200 PS Buick, oder der 238 PS Chrysler gelten als das Nonplusultra.
Die Horex-Regina ist das meistverkaufte Viertakt-Motorrad in Österreich, sie kostet S 15.980,–. Ein Goggomobil, die engste Regenhaut mit vier Rädern, kostet S 22.800,–.
Peter Alexander, der heute noch vorgibt, ein Autofreak zu sein, leistete sich 1954 sein erstes Auto: einen Opel Kapitän, weiß-beige-dunkelgrau. „Die um zwei Jahre verschobene Hochzeitsreise führte uns damit nach Venedig und Triest“, erinnert sich der Entertainer „und da standen wir auf einem großen Platz in Triest, inmitten von tausenden Menschen, und plötzlich kam ein kleiner Italiener. Er klappte seinen Mantel zurück, die Innenseite war behängt mit Schmuck. Er wollte uns Brillanten verkaufen. Wir winkten ab, er ließ sich aber nicht abschütteln und wurde schließlich böse. Mit einem Brillantring kratzte er quer über die Windschutzscheibe des Opels und zischte „Sehen, Herr, ist echt!“. Wir mußten die Scheibe tauschen, denn sie war am Zerbröseln und Hilde meinte, es wäre billiger gewesen, ich hätte ihr gleich den Brillantring gekauft.“
Hilde Alexander fällt jenes Auto ein, „das beinahe ein Scheidungsgrund geworden wäre.“ Ein amerikanischer Mercury, der Peter immer noch ein Glänzen in die Augen zaubert: „Ein Riesenschlitten, ich höre noch sein Röcheln im Leerlauf. Die Schaltung funktionierte über Drucktasten wie bei einem Radio. Der riesige Motor schluckte bis zu 50 Liter Benzin auf 100 Kilometer, aber auf stärkeren Steigungen mußte Hilde mit unserer kleinen Tochter und dem Kindermädchen dennoch aussteigen und anschieben. Daraufhin stellte Hilde ein Ultimatum: „entweder das Auto oder ich!“.
Hilde Alexander: “Entweder der Mercury verläßt das Haus oder ich…“
Also wurde der Mercury in der Zeitung inseriert und ein Malermeister aus Wien-Floridsdorf tauchte auf. Er bestand auf einer Probefahrt über die Höhenstraße. Das war das einzige Mal, daß mich das Auto in einer entscheidenden Situation nicht im Stich ließ. Der Malermeister kaufte den Schlitten und tauchte nie mehr wieder auf.“
Im Jahre 1955 wurde das Puch-Moped, das seit geraumer Zeit exportiert wurde, endlich auch bei uns käuflich. Die Verzögerung entstand auf Grund von Streitereien bei der Typisierung.
In Mitteleuropa brach eine wahre Orgie von Kleinstwagen aus: Kleinschnittger, Fuldamobil, Messerschmitt, Heinkel, Pinguin, BMW-Isetta, Viktoria „Spatz“ buhlten um die Gunst von Motorradfahrern. Man nannte die Vehikel auch „Schneewittchen-Särge“.
Das Billigste, was man mit sehr viel Nachsehen 1956 noch als Auto bezeichnen konnte – der Messerschmitt-Kabinenroller – kostete S 18.500,–. Ein Lloyd 400 S (genannt Leukoplastbomber) stand mit S 24.900,– in den Auslagen.
Der unerfüllbare Traum jener Zeit, hinsichtlich Rasse, Eleganz und Geschwindigkeit, war der Mercedes
300 SL mit Flügeltüren. In Österreich mußte man
für den Traum-Boliden S 220.000,– hinblättern.
Gunther Phillipp, zusammen mit Peter Alexander wohl Österreichs meistbeschäftigter Filmstar dieser Zeit, legte sich einen 300 SL Roadster zu, mit dem er auch Rennen fuhr und sogar Staatsmeister wurde. Danach stieg er allerdings auf ein halbes Dutzend Ferraris um. „Mein erster 300 SL hatte einen ziemlich hohen Benzinverbrauch,“ erinnert sich Gunther. „Also fuhr ich nach Stuttgart und stellte das Auto vor die Villa des Mercedes-Cheftechnikers Rudi Uhlenhaut. Hinter der Windschutzscheibe steckte eine Tafel: „Preiswert abzugeben, günstiger Verbrauch um 40 Liter, Anfragen bei Gunther Phillipp.“ Der Schaden wurde sofort und auf Kulanz behoben.“
In den ersten sieben Monaten des Jahres 1956 wurden bei uns 31.784 fabrikneue Motorräder und Roller zugelassen. Puchs 250er SGS wurde in den zwei Jahren seit Erscheinen das
österreichische Standard-Zweirad schlechthin. Motorsportler konnten den Zweitaktmotor frisieren und bekamen damit ein ausgezeichnetes Sportgerät für Wertungsfahrten, Moto Cross und Straßenrennen.
Hans Patleich – alias Hans Christmann –, 150 kg schwerer Auto-Tester mit Motorsport-Ambitionen, unternahm mit einem Goggomobil einen 25.000 km Dauerlauf, sein Testbericht, erschienen in der österreichischen (!) Fachschrift „Motorrad“, las sich damals wie ein Heldenepos, heute allerdings eher wie eine Kabarett-Nummer. Patleich schrieb – und was er schrieb, war damals die Bibel: „Überhaupt ist das Autobahnfahren für ein Fahrzeug dieser Größenordnung die schwerste Prüfung, denn es ist doch wahrscheinlich keine Kunst, stundenlang 95 km/h zu fahren. Man darf nur kein Mitleid haben. Ich hatte nicht. Wie oft habe ich auf der Strecke Duelle mit weit stärkeren Wagen ausgetragen. Zu 99 Prozent habe ich diese Duelle gewonnen. Spannender kann eine Langstreckenreise nicht verlaufen als mit einem Goggomobil, denn jeder Fahrer eines stärkeren Wagens, der sieht, daß ich neben ihm auftauche, steigt aufs Gas und kann nicht begreifen, daß ich wenige Minuten später schon wieder da bin und genau dort überhole, wo er es nicht für möglich hält. Mit dem Goggo schlage ich einen Haken wie ein Hase genau dort, wo der andere es nicht kann, und ich habe wieder einmal einen Todfeind…“ Solche Stilblüten waren wirklich nur in den „Roaring Fifties“ möglich.
Für den VW-Käfer gab es immer mehr Extras: Riemen für Fernglas, Lenkradschloß, Blumenvase, Pikkolospiegel, Haken für Handtasche.
Der Suez-Konflikt erzeugt Engpässe in der Treibstoff-Versorgung. Bundeskanzler Raab appelliert an die Österreicher, sie mögen den Wochenendausflug unterlassen.
In Wien rutschte die Staatsopernsängering Ljuba Welitsch, eine wahre Brunhilde von Format, mit ihrem protzigen Auto auf regennassem Pflaster aus. Eine „Weiße Maus“ eilte herbei und leistete Beistand. Wenig später feierte man in Mittersill Hochzeit. Aber nicht immer fielen Polizisten in die Arme einer Opernsängerin, manchmal fielen sie auch in Ohnmacht – wie etwa am letzten Sonntag der Wiener Herbstmesse, als vier Ordnungshüter auf ihren Kreuzungen Kohlenoxydgas-Vergiftungen erlitten.
Am 26. April 1958 wurde das erste Teilstück der Fleckerlteppich-Autobahn Salzburg-Wien, der 25 km lange Abschnitt Salzburg-Mondsee, dem Verkehr übergeben.
auto touring fragte sich besorgt auf Seite 1: „Jeder zweite Fahrschüler fällt durch, wo liegen die Ursachen dieses auffallenden Versagens?“ Die wahren Gründe kamen nie ans Licht.
Die Zeitung „Welt am Montag“ startete einen aufsehenerregenden Vergleichstest. Auf 2,7 km der verkehrsreichsten Straßen quer durch Wien sollten der bekannte Marathonläufer Dolfi Gruber, die Schauspielerin Lotte Ledl in einem Auto, Conférencier Gert Türmer als Straßenbahnpassagier und die Reporterin Else Radant als Fußgängerin trachten, so schnell wie möglich ans Ziel zu kommen. Der Läufer war mit Abstand am schnellsten: Gruber brauchte für die Strecke exakt 7 Minuten und 52 Sekunden. Der Straßenbahnfahrer war in 19 Minuten am Ziel, gefolgt von der Autofahrerin mit 21 Minuten – die jedoch die Fußgängerin nur um 20 Sekunden abhängen konnte.
Da Autos und Motorräder immer schneller wurden, mußte sich auch die Polizei was einfallen lassen: die Wiener Gesetzeshüter bekamen 170 km/h schnelle BMW-R69 mit Verkleidung und Funk.
Das Auto-Ereignis des Jahres 1959 war die Vorstellung des neuen Austin-Seven. BMC-Chefkonstruktur Alec Issigonis hatte – was freilich noch nicht jedem klar war – die Autowelt revolutioniert: er hatte den Mini erfunden.
Seit 11. November 1955 kostete Normalbenzin immer noch unverändert S 3,10, Super S 3,65. 300.000 Mopeds sägten über Österreichs Straßen und Herbert von Karajan legte sich einen Porsche Spyder Rennsportwagen zu – gewissermaßen für den Hausgebrauch.
Auf der Wiener Kärntner Straße trafen sich die Playboys mit ihren neuesten Autos zu privaten nächtlichen Beschleunigungs-Duellen zwischen Opernkreuzung und Stephansplatz. Der Weg zum Sieg führte meistens über Dieter Quester und seine neuesten Porsche- und Abarth-Boliden.
In Traiskirchen wurde mit dem Bau der Südautobahn begonnen. 1960 berichteten die Medien immer mehr über sogenannte „Sicherheitsgürtel“ für Autofahrer.
Auf dem Militärflugplatz Zeltweg waren die Zuschauer von dem Formel-2-Rennen so begeistert, daß sie bis an den Rand der Piste vorrückten. Drei Runden vor Schluß brach Rennleiter Martin Pfundner ab: Zu diesem Zeitpunkt rasten die Boliden bereits durch eine enge Menschengasse. Stirling Moss siegte und mußte sich vor der außer Rand und Band geratenen Menge verstecken.
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