Oktober 2006
Fortschritt mit Rückschritt
Das digitale Antennen-TV kommt

Zeillinger

Das digitale Antennen-TV kommt: Wer nicht umrüstet, sitzt bald vor einer grau flimmernden Mattscheibe.

DVB-T-Tuner. Bald ein Muss fürs Antennen-Fernsehen


Bilder: Werk

  • Digitales Antennen-Fernsehen auf einen Blick - als PDF-Download

    Dass angesagte Revolutionen stattfinden, ist eher die Ausnahme. Der Umstieg auf via Sendemast ausgestrahltes Digitalfernsehen dürfte aber eine solche werden. Was leicht vorherzusagen ist, denn es gibt keine Alternative. Wer die heimischen Programme nicht mittels Kabel oder digitalem Satelliten-Receiver empfängt und seine Ausstattung nicht umrüstet, wird statt ORF 1 und 2 sowie ATV bald nur ein Flimmern auf der Mattscheibe sehen. Die Umstellung ist kompliziert, sie kostet Geld und Komfort – quasi ein Schritt vor und zwei zurück.

    Sendeschluss – endgültig. Der ORF beginnt am 26. Oktober mit der Ausstrahlung des digitalen Antennenfernsehens (DVB-T, Digital Video Broadcasting Terrestrial), vorerst in den Ballungsräumen. Die bisherigen analogen Sender werden binnen sechs Monaten abgeschaltet. Betroffen sind rund 800.000 Haushalte, die ihre TV-Geräte umrüsten müssen – weil die keinen DVB-T-Tuner haben. Nicht nur herkömmliche Zimmer-, sondern auch Dachantennen müssen mittelfristig ersetzt werden. Stattdessen ist es nötig, neues Equipment anzuschaffen.

    Rechnung mit mehreren Unbekannten. Zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe gab es noch keine DVB-T-Boxen (Tuner, die digitale Signale entschlüsseln) zu kaufen. Die einfachsten sollen ab rund 80 Euro kosten, solche mit erweiterten Funktionen ab 100 Euro. Letztere werden mittels 40-Euro-Gutschein gefördert. Die 400.000 gebührenbefreiten Haushalte sowie die ersten 100.000 Umsteiger bekommen diesen Gutschein.

    TV-Geräte mit DVB-T-Tuner sind, so ergab ein Lokalaugenschein beim Handel, noch selten – und wenn, dann handelt es sich um große Flatscreens. Wer auf diese Geräte (bald wird es ein größeres Angebot geben) umsteigt, erspart sich eine DVB-T-Box. Die nächste Unbekannte ist der konkrete Umstellungstermin der einzelnen Sender – und damit auch der jeweilige analoge Sendeschluss vor Ort. Hier gab es bei der gebührenpflichtigen (12 Cent/min) Hotline Tel.: (0820) 420 420 nur sehr vage Auskünfte. Bald soll man genauer informiert werden – auf der Website www.dvb-t.at sogar kostenfrei.

    Zwei DVB-T-Boxen braucht, wer sich den gewohnten Videorecorder-Komfort erhalten möchte – ein österreichisches Programm sehen und gleichzeitig ein anderes aufnehmen. Denn jedes Analog-Gerät benötigt nach der Umstellung einen vorgeschalteten Digital-Tuner. Was die offiziellen Broschüren leider verschweigen.

    Wozu der Aufwand? Man spricht von besserer Bild- und Tonqualität, bald soll man mehr Programme via Antenne empfangen können, und es wird zusätzliche Dienste geben, etwa einen elektronischen Programmführer und einen aufgemotzten Teletext. Laptops mutieren mit Einsteck-Karten-DVB-T-Empfängern oder USB-Sticks zu mobilen Fernsehern samt Aufzeichnungsmöglichkeit auf der Festplatte. DVB-T-Tuner fürs Navi-System im Auto und Handys mit DVB-Empfang sind bereits im Anrollen. Und Fernsehgebühr bezahlt bald nur noch der, der ORF digital (oder via Kabel) sieht.

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