August 2003
Tempo-Check
So genau sind unsere Tachos.
 
Michael Stirner und Kurt Zeillinger

Tachoanzeige gegen echte Geschwindigkeit: Das Test-Team bei der Arbeit

Hi-Tech-Tempomessung im Fahrsicherheitszentrum Teesdorf

Für mehr Ehrlichkeit - auch was das Einhalten der Limits betrifft: Oberst Franz Stockinger, Polizei Wien

Bilder: Jürgen König

Auf einen Klick:

  • Tempolimits und Strafpraxis
  • Tacho und Tempo - vier Autos im Test

    Claus H. rollt mit „Tacho 60“ durchs Ortsgebiet. Plötzlich erhellen zwei Fotoblitze die spätabendliche Szene – die Tempofalle ist zugeschnappt. Dabei war Claus H. – wie wohl die meisten Pkw-Lenker – überzeugt, dass jeder Tacho um gut 10 km/h übertreibt und man gefahrlos schneller fahren darf. Und außerdem: Da gibt es doch sicher noch eine Messtoleranz, die der eilige Kraftfahrer zu seinen Gunsten geltend machen kann. Oder?

    Zuerst zum technischen Aspekt und zur Frage nach der Präzision moderner Geschwindigkeitsmesser. Was letztlich auf dem Tacho steht, basiert auf Informationen (elektronischen Signalen), die üblicher Weise von einem Geber im Getriebe oder den Radsensoren des ABS gesendet werden. Diese Signale werden gemäß aller relevanten Übersetzungsverhältnisse in die Fahrgeschwindigkeit umgerechnet. Und bei nicht abgefahrenen Originalreifen stimmt der angezeigte Wert dank hochgestochener Elektronik heute ziemlich genau.

    Wie genau, zeigte sich nach einer Versuchsreihe, die Redakteure des auto touring anhand von vier Autos aus dem Testfuhrpark mit einem hochempfindlichen Messgerät durchgeführt haben.
    Mazda 6 Kombi, VW Touran, Nissan Micra und Kia Sorento wurden nacheinander verkabelt, mit einem unabhängigen optischen Bewegungs-Sensor sowie mit Rechner, Bildschirm und Tastatur ausgerüstet. Nach dem Eintippen der jeweiligen Fahrzeugdaten und dem Kalibrieren (Eichen) der gesamten Anlage ging es auf Messfahrt.
    Und siehe da, die vielfach vermuteten Abweichungen im 10-km/h-Bereich erreicht man höchstens noch bei Autobahntempo.
    Wer sich also auf dieses heimliche Polsterl verlässt, wird spätestens bei der nächsten scharf eingestellten Radarfalle (straf-)fällig.
    Dass es da und dort doch größere Abweichungen geben mag, als wir sie bei unseren Messungen festgestellt haben, ist durchaus möglich. Schließlich hängt die Präzision eines Tacho vom Gesamt-Übersetzungsverhältnis des Fahrzeugs ab, und da haben die Räder und Reifen einen entscheidenden Anteil. Reifen mit mehr Abrollumfang als die Originalpneus an der Antriebsachse machen ein Auto schneller als der Tacho anzeigt, Reifen mit weniger Umfang hingegen langsamer. Wer (verbotener Weise) sogar andere als die im Typen- und Zulassungsschein eingetragenen Felgen und Reifen montiert, darf sich auf die angezeigte Geschwindigkeit nicht mehr verlassen.

    Das eigene Auto messen. Gewissheit über die Präzision der Geschwindigkeitsangabe im eigenen Auto bringt in jedem Fall eine Kontrolle mit der Stoppuhr: Wenn es der Verkehr zulässt, fährt man auf der Autobahn konstant mit Tachoanzeige 120 und lässt den Beifahrer jene Zeit stoppen, die für die Strecke von einem Kilometer benötigt wird (auf Autobahnen sind alle 500 m am Fahrbahnrand kleine blaue Tafeln montiert).

    Geht der Tacho genau, legt man die 1.000 m in exakt 30 Sekunden zurück. Vergeht mehr Zeit, übertreibt der Tacho. Will jemand für so einen gestoppten Kilometer das Durchschnitts-Tempo errechnen, muss er nur 3.600 (so viele Sekunden hat eine Stunde) durch die auf der Stoppuhr angezeigten Sekunden dividieren.

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